Exogene Ketone beim Ultra-Trail: Der Wundertreibstoff, um deine Rennen zu beenden?
Von Lena — übersetzt aus einem Artikel von Clara Atem Veröffentlicht am 14/07/2026 um 08h35 Lesezeit : 9 minutes
Exogene Ketone: Der Hype, der die Ausdauerwelt erschüttert
Hallo, liebe Trail- und Langstrecken-Begeisterte! Hier ist Clara. Wenn du die Nachrichten aus der Welt des Ausdauersports ein wenig verfolgst, ist es dir sicher nicht entgangen. Man sieht sie in den Trinkflaschen der Radfahrer bei der Tour de France, man hört von ihnen in den Paddocks der Triathleten auf Hawaii, und jetzt tauchen sie auch in unseren Ultra-Trail-Rucksäcken auf. Ich spreche natürlich von exogenen Ketonen. Diese kleinen Fläschchen, die so viel kosten wie ein guter Wein, versprechen das Blaue vom Himmel: unerschöpfliche Energie, messerscharfe geistige Klarheit, beschleunigte Regeneration... Kurz gesagt, das Allheilmittel für uns Verrückte, die auf Höhenmeter und unendliche Distanzen stehen.
Aber als ehemalige Athletin und ewig Neugierige schlägt mein Radar für "Wundermittel" ziemlich schnell an. Ist das eine echte metabolische Revolution oder nur ein sehr gut inszenierter Marketing-Coup? Ist das Versprechen zu schön, um wahr zu sein? Ich habe also beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, die Wissenschaft zu analysieren, aber vor allem das zu tun, was ich am liebsten mag: testen. Im Gelände. Denn nur dort kann man die Wirksamkeit einer Ernährungsstrategie wirklich beurteilen. Weit weg von Laboren und Grafiken, mit Schlamm unter den Schuhen und brennender Milchsäure in den Oberschenkeln.
In diesem Artikel teile ich meinen gesamten Weg mit dir: vom Verständnis, was ein Keton ist, bis zu meinem Praxistest während eines langen Berglaufs. Wir werden die Vor- und Nachteile abwägen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Mein Ziel? Dir alle Schlüssel an die Hand zu geben, damit du dir deine eigene, fundierte Meinung bilden kannst. Also, schnür deine Schuhe, wir begeben uns auf eine lange Erkundungsreise ins Herz unserer Energiezellen. Versprochen, wir versuchen, das Ganze so verdaulich wie möglich zu machen. Ganz einfach.
Was genau sind Ketone? Eine Entschlüsselung für Nicht-Chemiker
Bevor wir uns auf das erstbeste Fläschchen stürzen, nehmen wir uns einen Moment Zeit, um zu verstehen, worüber wir sprechen. Keine Sorge, ich verspreche dir, dich nicht mit unverständlichen wissenschaftlichen Begriffen zu ertränken. Die Idee ist, das Konzept zu erfassen, denn das ist die Grundlage für alles.
Endogen vs. Exogen: ein fundamentaler Unterschied
Ursprünglich sind Ketonkörper Moleküle, die unser Körper auf natürliche Weise produziert. Das sind die sogenannten endogenen Ketone (endo = innen). Dieser Prozess, die Ketogenese, wird in Gang gesetzt, wenn uns Kohlenhydrate, unser Hauptbrennstoff, fehlen. Stell dir eine Situation des längeren Fastens oder eine sehr zuckerarme Ernährung (die berühmte "Keto"-Diät) vor. Deine Glykogenspeicher (die Speicherform von Zucker in den Muskeln und der Leber) sind auf dem Tiefpunkt. Um weiter zu funktionieren und vor allem unser Gehirn, einen großen Energieverbraucher, zu versorgen, ist unser Körper eine beeindruckende Maschine: Er beginnt, massiv Fette abzubauen. Aus diesem Abbau entstehen Ketonkörper, hauptsächlich Beta-Hydroxybutyrat (BHB), die dann als alternative Energiequelle genutzt werden können.
Die exogenen Ketone (exo = außen) sind etwas ganz anderes. Das sind die, die man in Nahrungsergänzungsmitteln findet. Indem du sie trinkst, versorgst du deinen Körper direkt mit Ketonen, ohne tagelang fasten oder eine drastische Diät einhalten zu müssen. Du kannst also theoretisch von dieser Energiequelle profitieren und gleichzeitig weiterhin Kohlenhydrate zu dir nehmen. Und genau hier wird es für uns Ausdauersportler potenziell sehr interessant.
Der "vierte Treibstoff": das neue Teil im Energiepuzzle?
Man hat uns immer gelehrt, dass unsere Muskeln mit drei Energiequellen arbeiten:
Exogene Ketone präsentieren sich als vierter Treibstoff. Eine Energiequelle, die nicht in direkter Konkurrenz zu den anderen Stoffwechselwegen steht. Die Idee ist nicht, Kohlenhydrate zu ersetzen, sondern parallel zu arbeiten. Das ist das Paradigma des "dualen Treibstoffs" (Dual Fuel). Stell dir deinen Körper wie einen Hybridmotor vor: Er kann gleichzeitig mit Benzin (Kohlenhydrate) und Strom (Ketone) laufen. Diese Fähigkeit, Kohlenhydrate und Ketone gleichzeitig zu nutzen, könnte einen einzigartigen metabolischen Vorteil bieten, besonders wenn sich die Wettkampfstunden summieren.
Die Wissenschaft hinter dem Fläschchen: Was sagen die Studien?
Okay, auf dem Papier ist das Konzept verlockend. Aber was ist mit den wissenschaftlichen Beweisen? Denn Marketingversprechen kennen wir ja. Was uns interessiert, sind die Fakten. Die Forschung zu exogenen Ketonen im Sport ist relativ jung, aber sehr aktiv und wird hauptsächlich von renommierten Forscherteams vorangetrieben.
Die Schonung der Glykogenreserven: das ultimative Versprechen
Die aufregendste Theorie für die Ultra-Ausdauer ist die der Schonung der Glykogenreserven. Der berühmte "Mann mit dem Hammer", den jeder Läufer fürchtet, ist oft die Folge einer fast vollständigen Entleerung unserer Glykogenspeicher. Wenn Ketone einen Teil der für die Anstrengung benötigten Energie liefern können, dann sollten wir logischerweise weniger auf unsere wertvollen Zuckerreserven zurückgreifen. Diese würden dann für später aufgespart, für das Ende des Rennens, für den letzten Anstieg, bei dem sich alles entscheidet.
Genau das hat eine wegweisende Studie gezeigt, die 2016 in der renommierten Fachzeitschrift Cell Metabolism vom Team um Professor Peter Hespel von der Universität Leuven (KU Leuven) veröffentlicht wurde. In dieser Studie mit trainierten Radfahrern führte der Konsum von Ketonestern während der Belastung zu einer geringeren Nutzung des Muskelglykogens. Die Athleten, die Ketone verwendeten, zeigten eine Präferenz ihres Organismus für diesen neuen Treibstoff und ließen das Glykogen unangetastet. Auf dem Papier ist das der Heilige Gral für einen Ultra-Trailläufer. Seine Reserven länger intakt zu halten, bedeutet, den Leistungseinbruch hinauszuzögern.
Mentale Klarheit und Reduzierung der zentralen Ermüdung
Ein Ultra wird nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit dem Kopf gewonnen. Wer hat nicht schon einmal diesen "Gehirnnebel" nach 15 Stunden Wettkampf erlebt? Diese Schwierigkeit, eine Zwischenzeit zu berechnen, zu entscheiden, ob man die Jacke anziehen soll oder nicht, oder sogar der Markierung zu folgen. Diese Ermüdung wird als "zentral" bezeichnet, sie kommt vom Gehirn.
Nun, das Gehirn liebt Ketone. Sie sind sogar sein bevorzugter Treibstoff bei Glukosemangel. Die Hypothese lautet daher, dass die Zufuhr von exogenen Ketonen während einer längeren Anstrengung helfen könnte, eine optimale kognitive Funktion aufrechtzuerhalten. Weniger wahrgenommene Müdigkeit, bessere Konzentration, klarere Entscheidungen... Das sind nicht zu vernachlässigende Vorteile, wenn man um 3 Uhr morgens mit einer flackernden Stirnlampe auf einem technischen Pfad navigieren muss. Einige Athleten berichten von einem Gefühl der "Ruhe" und des "Fokus" nach der Einnahme, was mit dieser Wirkung auf das zentrale Nervensystem zusammenhängen könnte.
Und was ist mit der Regeneration?
Das Versprechen der Ketone endet nicht an der Ziellinie. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass sie auch eine entscheidende Rolle bei der Regeneration spielen könnten. Wie? Indem sie die Resynthese von Glykogen nach der Anstrengung beschleunigen. Nach einem Wettkampf ist es entscheidend, unsere Zuckerspeicher so schnell wie möglich wieder aufzufüllen. Die Einnahme von Ketonen zusammen mit einem Regenerationsgetränk, das reich an Kohlenhydraten und Proteinen ist, scheint diesen Wiederauffüllungsprozess zu verstärken.
Darüber hinaus sollen Ketone entzündungshemmende und antikatabole (den Muskelabbau begrenzende) Eigenschaften haben. Konkret könnte sich das in weniger Muskelkater, einer schnelleren Reparatur geschädigter Muskelfasern und somit einer entspannteren Rückkehr ins Training äußern. Einen Ultra zu beenden und danach wie ein Cowboy zu gehen, kennen wir alle. Wenn ein kleines Fläschchen diese Leidenszeit verkürzen kann, ist die Idee natürlich verlockend.
Meine Erfahrung "im Gelände": Praxistest in den Alpen
Die Theorie ist ja schön und gut. Aber wie ich dir bereits sagte, nichts ersetzt die Erfahrung. Also habe ich ein Starterpaket einer der renommiertesten Marken für Ketonester bestellt. Mein Geldbeutel hat ein wenig gelitten, aber die Neugier war zu groß. Mein Ziel: selbst und ohne Vorurteile zu sehen, was es bei einem Format bringt, das mir liegt.
Das Testprotokoll: ein anspruchsvoller langer Lauf
Als Testgelände wählte ich eine 55 km lange Runde mit 3500 Höhenmetern um Chamonix. Eine Strecke, die ich gut kenne, anspruchsvoll, mit langen Anstiegen und technischen Abstiegen. Eine Art konzentrierte Ultra-Version, perfekt, um den Körper an seine Grenzen zu bringen. Die geschätzte Dauer: zwischen 8 und 9 Stunden.
Mein Protokoll war einfach:
- Grundernährung: Meine übliche Strategie. Gels, Riegel, Fruchtmus und etwas Salziges. Etwa 60g Kohlenhydrate pro Stunde. Ich habe nichts an meinen Gewohnheiten geändert, um die Wirkung der Ketone so gut wie möglich zu isolieren.
- Einnahme der Ketone: Das gängigste Protokoll empfiehlt eine Dosis (ca. 25g Ester) alle 3-4 Stunden. Ich plante also ein Fläschchen für den Start, eines nach 3 Stunden Belastung und ein letztes nach 6 Stunden.
Die ersten Eindrücke: ein Geschmack… unvergesslich! 🤢
Ich habe es erwähnt, und ich muss ehrlich sein: Der erste Schluck ist ein Schock. Stell dir eine Mischung aus Lösungsmittel, Flugzeugtreibstoff und einer bitteren Beere vor. Es ist absolut widerlich. Man muss wirklich motiviert sein, um das zu schlucken. Ich habe den Geschmack mit einem großen Schluck Wasser und einem Fruchtmus heruntergespült, aber der herbe Nachgeschmack blieb eine ganze Weile. Das ist ein Punkt, den man auf keinen Fall vernachlässigen sollte: Wenn dein Magen empfindlich ist, könnte das ein K.o.-Kriterium sein.
Nach diesem schwierigen Moment spürte ich keine unmittelbare Wirkung, weder einen Energieschub noch Übelkeit. Nur das Gefühl, eine chemische Substanz zu mir genommen zu haben. Ich begann meinen ersten Anstieg, konzentriert auf meine Empfindungen.
Mitten in der Anstrengung: eine überraschende Stabilität
Nach etwa 4-5 Stunden begann ich, einen Unterschied zu bemerken. Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem ich die ersten Anzeichen von Müdigkeit spüre, an dem ich sehr auf meine Ernährung achten muss, um einen Hungerast zu vermeiden. Hier spürte ich eine erstaunliche energetische Stabilität. Kein euphorischer Höhepunkt nach einem Gel, aber auch kein Tief. Es war eine lineare, konstante Energie. Ein bisschen, als ob mein Motor auf einer sehr effizienten Reisegeschwindigkeit lief, ohne jemals durchzudrehen oder zu stottern.
Ich nahm weiterhin meine Gels und Riegel zu mir, aber mehr aus Gewohnheit und Automatismus als aus einem echten Hunger- oder Bedarfsgefühl. Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl, ein Gefühl der ruhigen Stärke. Im letzten großen Anstieg, nach 7 Stunden Anstrengung, wo normalerweise die Moral nachlässt, war ich noch erstaunlich klar im Kopf. Konzentriert auf meinen Schritt, fähig, die Landschaft zu genießen. Das war wahrscheinlich der auffälligste Effekt.
Das Urteil nach der Anstrengung: weniger ausgeprägter Muskelkater
Zurück am Auto war ich müde, natürlich, aber nicht so zerstört, wie ich es nach einer solchen Anstrengung hätte sein können. Ich nahm eine letzte halbe Dosis Keton mit meinem Regenerationsgetränk. Am nächsten und übernächsten Tag ging die Überraschung weiter. Der Muskelkater war vorhanden, aber bei weitem nicht so stark wie sonst. Ich hatte das Gefühl, mich von einem 5-stündigen Lauf erholt zu haben, nicht von einem 8,5-stündigen. Das Gefühl von Schwere und Entzündung war deutlich geringer.
Vor- und Nachteile: Die Abwägung für Ultra-Trailläufer
Nach diesem Test und meinen Recherchen ist es an der Zeit, die Dinge klarzustellen. Exogene Ketone sind ein komplexes Werkzeug mit echten Vorteilen, aber auch erheblichen Nachteilen, die man unbedingt kennen sollte, bevor man sich darauf einlässt.
Die potenziellen echten Vorteile:
- Energetische Stabilität: Das ist für mich der greifbarste Vorteil. Weniger Blutzucker-Achterbahnfahrten, was ein ruhigeres Belastungsmanagement ermöglicht.
- Schonung der Glykogenreserven: Die Wissenschaft bestätigt es und die Empfindungen deuten darauf hin. "Saft" für das Ende aufzusparen, ist ein enormer strategischer Vorteil im Ultra.
- Mentale Klarheit: Der nootropische Effekt ist real. Klar zu bleiben, um sein Rennen, seine Ernährung und unvorhergesehene Ereignisse zu managen, ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg.
- Verbesserte Regeneration: Weniger Muskelschäden und ein schnellerer Wiederaufbau versprechen, dass man Trainingseinheiten besser aneinanderreihen oder die Zeit nach dem Wettkampf besser überstehen kann.
Die Hürden und Gefahren, die man kennen sollte:
- DIE KOSTEN 💰: Das ist die größte Hürde. Wir sprechen von 30 bis 40 Euro pro 25g-Fläschchen. Für einen Ultra wie den UTMB®, bei dem man potenziell 6 bis 10 Fläschchen benötigen würde, kann das Budget 300 Euro übersteigen. Das ist eine kolossale Investition, die einer Elite oder sehr wohlhabenden Enthusiasten vorbehalten ist.
- DER GESCHMACK: Ich habe es gesagt, er ist schrecklich. Das Risiko von Übelkeit oder Magen-Darm-Problemen ist sehr real. Wenn der Magen bei Kilometer 80 streikt, ist dein Rennen vorbei. Es ist ein riskantes Spiel.
- DIE INDIVIDUALITÄT: Wir sind alle verschieden. Meine positive Erfahrung garantiert nicht, dass du dieselbe haben wirst. Einige Athleten spüren keine Wirkung, andere vertragen sie einfach nicht. Der einzige Weg, es herauszufinden, ist zu testen.
- FEHLENDE LANGZEITSTUDIEN: Die Studien beziehen sich oft auf Anstrengungen von 2-3 Stunden, auf männliche und sehr gut trainierte Radfahrer. Was ist mit Anstrengungen von 20, 30, 40 Stunden? Mit Frauen? Mit Läufern aus dem Mittelfeld? Es gibt noch viele Grauzonen.
Praktischer Leitfaden: Ketone in deine Strategie integrieren (oder nicht)
Du bist neugierig geworden und fragst dich, ob du es versuchen solltest? Hier sind einige Anhaltspunkte, die dir bei deiner Entscheidung helfen und, falls du dich dafür entscheidest, es klug anzugehen.
Für wen und wann? Das richtige Anwendungsprofil
Um es klar zu sagen: Ketone sind nicht für jeden geeignet. Wenn du mit Ultras anfängst, wenn du dein Training, deinen Schlaf und deine Grundernährung noch nicht optimiert hast, vergiss es. Das ist Geld zum Fenster hinausgeworfen. Ketone fallen in den Bereich der Optimierung, des berühmten "marginal gain".
Sie richten sich eher an den erfahrenen Athleten, der sich perfekt kennt, bereits eine solide Ernährungsstrategie hat und auf sehr langen Distanzen (100 km und mehr) den nächsten Schritt machen möchte. Es ist ein Werkzeug, das man für ein Hauptziel der Saison in Betracht ziehen sollte, nicht für den Dorflauf am Sonntag.
Mein empfohlenes Testprotokoll (falls du es versuchen möchtest)
Wenn du dich entscheidest, den Sprung zu wagen, lautet die goldene Regel: NIEMALS, AUF GAR KEINEN FALL, BEIM WETTKAMPF TESTEN! Das ist der beste Weg, alles zu ruinieren.
- Fang klein an: Kaufe ein oder zwei Fläschchen, um zu sehen, ob du den Geschmack verträgst und ob es keine Verdauungsnebenwirkungen gibt. Teste eine halbe Dosis bei einem normalen Lauf.
- Simuliere den Wettkampf: Wenn der erste Test erfolgreich ist, organisiere einen langen Lauf, der die Bedingungen deines Ziels imitiert (Dauer, Höhenmeter, Intensität). Wende das Protokoll an, das du für dein Rennen planst (z.B. 1 Dosis alle 3-4 Stunden).
- Ändere nichts anderes: Behalte genau denselben Ernährungsplan wie üblich bei. Ketone sind eine Ergänzung, kein Ersatz. Sie wirken ZUSAMMEN mit Kohlenhydraten. Der Versuch, auf Gels zu verzichten, wäre ein schwerwiegender Fehler. Das ist übrigens ein interessanter Ansatz für diejenigen, die wie ich manchmal mit dem Ekel vor Süßem beim Ultra-Trail zu kämpfen haben, da sie es ermöglichen könnten, die Kohlenhydratlast leicht zu reduzieren, ohne an Leistung zu verlieren.
- Analysiere deine Empfindungen: Mache dir Notizen. Wie fühlst du dich? Dein Energieniveau? Deine Konzentration? Deine Verdauung? Sei ehrlich zu dir selbst.
Salze oder Ester: Was ist der Unterschied?
Auf dem Markt findest du zwei große Familien von exogenen Ketonen: Ketonsalze und Ketonester. Ohne auf zu technische Details einzugehen, merke dir Folgendes:
- Ketonsalze: Das BHB ist an ein Mineral (Natrium, Kalium...) gebunden. Sie sind etwas erschwinglicher, ihr Geschmack ist oft maskiert und erträglicher. Andererseits sind sie weniger wirksam, um den Ketonspiegel im Blut schnell zu erhöhen, und können eine erhebliche Salzlast mit sich bringen, was bei einem Ultra problematisch sein kann.
- Ketonester: Das BHB ist an ein Alkoholmolekül gebunden. Sie sind es, die in den meisten aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien verwendet wurden. Sie sind viel potenter, wirken schneller, sind aber auch die teuersten und die mit dem schrecklichsten Geschmack.
Für den Leistungseinsatz gelten Ester heute trotz ihrer Nachteile als Referenz.
Also, Wunder oder Trugbild? Mein Fazit als Trailläuferin
Also, sollte man sein Sparkonto leeren, um sich diesen Treibstoff aus dem Weltall zu gönnen? Meine Antwort ist differenziert. Nein, exogene Ketone sind nicht der Wundertreibstoff, der dich einen Ultra ohne Training beenden lässt. Sie werden niemals Monate ernsthafter Vorbereitung, ein gutes Rennmanagement und eine beherrschte Grundernährung ersetzen.
Ich glaube jedoch nicht, dass es nur ein Trugbild ist. Es ist ein hochmodernes Werkzeug, ein faszinierender biochemischer Fortschritt, der, intelligent vom richtigen Athleten zur richtigen Zeit eingesetzt, wirklich einen Vorteil bieten kann. Eine stabilere Energie, ein klarerer Kopf, eine bessere Regeneration... Das sind konkrete Vorteile, die ich spüren konnte.
Die wahre Hürde bleiben heute ihre unerschwinglichen Kosten und ihr widerlicher Geschmack, die sie einem kleinen Teil des Feldes vorbehalten. Aber die Technologie entwickelt sich schnell. Vielleicht werden in ein paar Jahren erschwinglichere und geschmacklich angenehmere Versionen für alle verfügbar sein.
Bis dahin bleibt mein Rat derselbe: Konzentriere dich auf die Grundlagen. Das Training, den Spaß, das Hören auf deinen Körper. Wenn, und nur wenn, du das Gefühl hast, alles andere optimiert zu haben und dich die Neugier packt, dann kannst du das Experiment wagen, mit Vorsicht und Methode. Aber vergiss niemals das Wesentliche: Vor allem Spaß haben. Das ist der stärkste und nachhaltigste Treibstoff, den du finden wirst. Ganz einfach.
Häufig gestellte Fragen zu exogenen Ketonen im Trailrunning
Machen exogene Ketone schlank?
Nein, das ist ein sehr häufiges Missverständnis. Der Zustand der nutritiven Ketose (erreicht durch eine sehr kohlenhydratarme Diät) kann zu Gewichtsverlust führen. Exogene Ketone hingegen sind eine Kalorienquelle (ca. 4 kcal pro Gramm). Sie zusätzlich zur normalen Ernährung zu konsumieren, führt zu keiner Gewichtsabnahme. Ihr Zweck im sportlichen Kontext ist die Leistungssteigerung, nicht das Abnehmen.
Gilt das als Doping?
Derzeit nicht. Exogene Ketone stehen nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie gelten als Nahrungsergänzungsmittel, genau wie Energiegels oder Proteinpulver. Ihre Verwendung im Wettkampf ist daher völlig legal.
Welches Budget muss man für die Verwendung von Ketonen bei einem Ultra einplanen?
Das Budget ist sehr hoch und stellt die größte Hürde dar. Eine Einzeldosis (ein Fläschchen) kostet in der Regel zwischen 30 und 40 Euro. Für einen 100-Meilen-Ultra (ca. 24 bis 48 Stunden Wettkampf) könnte ein wirksames Protokoll eine Einnahme alle 3 bis 4 Stunden erfordern, also zwischen 6 und 12 Dosen. Das Budget für ein einziges Rennen kann sich also leicht auf 200 bis über 400 Euro belaufen.
Kann ich alle meine Gels durch Ketone ersetzen?
Auf keinen Fall, und das wäre sogar kontraproduktiv. Die Forschung zeigt, dass Ketone am wirksamsten sind, wenn sie ZUSAMMEN mit Kohlenhydraten konsumiert werden. Der Körper nutzt dann beide Energiequellen parallel (Modell des "dualen Treibstoffs"). Die Zufuhr von Kohlenhydraten während eines Ultras zu streichen, würde dich direkt in den Leistungseinbruch führen. Man muss Ketone als Ergänzung zu seiner üblichen Ernährungsstrategie sehen, nicht als Ersatz.