Ironman Erkner: Die Zukunft des Triathlons bis 2027 auf dem Prüfstand
Von Anja Veröffentlicht am 24/09/2026 um 09h00 Lesezeit : 2 minutes
Die Zukunft des Ironman 70.3 Erkner: Zwischen Aushängeschild und Anwohnerkritik
Der Ironman 70.3 Erkner hat sich seit seiner Premiere im Jahr 2022 schnell zu einem festen Bestandteil im Kalender vieler Triathleten entwickelt. Die malerische Kulisse Brandenburgs, kombiniert mit der Herausforderung einer Mitteldistanz, zieht jährlich tausende Sportler an. Doch während die Vorbereitungen für das Rennen am 8. September 2024 auf Hochtouren laufen, schwebt ein großes Fragezeichen über der Zukunft des Events. Der bestehende Vertrag zwischen der Stadt Erkner und dem Veranstalter, der Ironman Germany GmbH, läuft aus. Nun steht eine entscheidende Abstimmung über eine mögliche Verlängerung bis 2027 bevor.
Großveranstaltungen wie diese sind für eine Region immer eine Gratwanderung. Sie bringen Prestige und wirtschaftliche Vorteile, stellen aber auch eine Belastung für die Infrastruktur und die Anwohner dar. Ähnliche Diskussionen sind auch im Umfeld anderer großer Rennen bekannt, wie beispielsweise beim weltgrößten Langdistanz-Triathlon. Alle Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel Challenge Roth 2027: Alles zum Termin des größten Langdistanz-Triathlons der Welt.
Ein Sportereignis am Scheideweg
Die Weichen für die Zukunft werden in den kommenden Wochen gestellt. Der Veranstalter hat der Stadt Erkner einen Vorschlag für einen neuen Dreijahresvertrag unterbreitet, der die Austragung des Rennens für die Jahre 2025, 2026 und 2027 sichern würde. Eine erste wichtige Hürde wurde bereits genommen: Der Hauptausschuss der Stadt hat sich mehrheitlich für die Annahme des Vertrags ausgesprochen und eine entsprechende Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung weitergeleitet.
Die endgültige und bindende Entscheidung fällt jedoch erst am 27. Juni 2024, wenn die Stadtverordneten über die Zukunft des Mega-Events abstimmen. Die Debatte im Vorfeld zeigt deutlich, dass es sowohl starke Befürworter als auch kritische Stimmen gibt.
Argumente für eine Vertragsverlängerung: Prestige und Wirtschaftskraft
Für die Befürworter, allen voran Bürgermeister Henryk Pilz, ist der Ironman weit mehr als nur ein Sportwettkampf. Er bezeichnet die Veranstaltung als ein „Highlight“ und ein „Markenzeichen“ für Erkner, das der Stadt eine enorme mediale Präsenz und ein positives, sportliches Image verleiht. Die Fernsehbilder und Berichte erreichen ein internationales Publikum und werben effektiv für die Region.
Ein "Aushängeschild" mit wirtschaftlichen Impulsen
Auch aus wirtschaftlicher Sicht spricht viel für das Rennen. Tausende Athleten reisen mit Familien und Freunden an, was zu einer hohen Auslastung der Hotels, Pensionen und Gastronomiebetriebe in der gesamten Region führt. Dieser touristische Effekt ist ein zentrales Argument der Unterstützer. Erik Nickel von der CDU-Fraktion bezeichnete das Event treffend als „Aushängeschild“ für die Stadt.
Finanziell beteiligt sich die Stadt Erkner nicht direkt an den Kosten des Veranstalters. Die städtischen Ausgaben beziehen sich primär auf den personellen Aufwand, beispielsweise durch das Ordnungsamt und den Bauhof, die für die Umsetzung der notwendigen Straßensperrungen zuständig sind.
Die Kehrseite der Medaille: Belastung für die Bürger
Trotz der positiven Aspekte gibt es erhebliche Bedenken, die vor allem von den Anwohnern geäußert werden. Der Hauptkritikpunkt sind die weitreichenden und stundenlangen Straßensperrungen am Wettkampftag, die das öffentliche Leben stark einschränken.
Das Reizthema Straßensperrungen 🚧
Die 90 Kilometer lange Radstrecke führt nicht nur durch Erkner, sondern auch durch die Gemeinden Gosen-Neu Zittau, Grünheide und sogar Teile Berlins. Für die Anwohner bedeutet dies erhebliche Umwege und Wartezeiten. Die Kritik an der mangelnden Erreichbarkeit von Grundstücken und der allgemeinen Einschränkung der Mobilität ist in den vergangenen Jahren lauter geworden.
Politiker wie Lothar Eysser von der Linken-Fraktion sehen die „Vollkommerzialisierung des Sports“ kritisch und stellen die Frage, ob der Nutzen für die Stadt die Belastungen für die Bürger tatsächlich aufwiegt. Auch Jan Landmann von den Grünen mahnte an, die Sorgen der Anwohner ernster zu nehmen und forderte eine deutlich verbesserte Kommunikationsstrategie seitens des Veranstalters.
Bedingungen für die Zukunft: Was im neuen Vertrag stehen soll
Die Stadtverwaltung hat die Kritikpunkte aufgenommen und Bedingungen für den neuen Vertrag formuliert. Eine zentrale Forderung ist eine bessere und vor allem frühzeitigere Kommunikation über die geplanten Sperrungen. Anwohner sollen detailliert und rechtzeitig informiert werden, um sich besser auf die Situation einstellen zu können.
Des Weiteren fordert die Stadt vom Veranstalter konkrete Zahlen zum wirtschaftlichen Nutzen, insbesondere zur Anzahl der generierten Übernachtungen. Diese Daten sollen helfen, den Mehrwert der Veranstaltung objektiv zu bewerten und die Einschränkungen besser zu rechtfertigen. Eine diskutierte Verlegung des Rennens vom September in den Juni wurde verworfen, da dies mit anderen Großereignissen wie der Fußball-EM kollidieren würde und der Veranstalter den Septembertermin bevorzugt.
Ausblick: Eine richtungsweisende Entscheidung für Erkner
Die positive Empfehlung des Hauptausschusses lässt vermuten, dass die Chancen für eine Vertragsverlängerung gut stehen. Dennoch bleibt die finale Abstimmung der Stadtverordnetenversammlung am 27. Juni abzuwarten. Die Entscheidung wird zeigen, welchen Weg Erkner in den kommenden Jahren gehen möchte: Bleibt die Stadt ein stolzer Gastgeber für einen internationalen Triathlon oder erhalten die Bedenken der Anwohner ein größeres Gewicht?
Für die Athleten und Triathlon-Fans heißt es also, Daumen drücken. 🤞 Die Entscheidung wird nicht nur über die Jahre 2025 bis 2027 bestimmen, sondern auch ein Signal für die Zukunft des Triathlonsports in der brandenburgischen Region sein.